Zeitmanagement kommt als letztes

Zeitmanagement ist das bewusste und methodische Nutzen von Freiräumen:

  • Dem Freiraum entscheiden zu können, was man tut – und was man wegläßt.
  • Der Möglichkeit entscheiden zu können, wieviel Aufwand für ein Ergebnis angemessen ist.
  • Dem Freiraum entscheiden zu können, wann man etwas tut.
  • Der Möglichkeit entscheiden zu können, wie man etwas tun möchte.

Je größer diese Freiräume sind, desto nützlicher ist Zeitmanagement.

Jemand, der im Call-Center arbeitet, wird in diesem beruflichen Kontext wenig Nutzen von Zeitmanagement-Methode haben, weil er hochgradig fremdgesteuert ist. Er hat keine Möglichkeit, das was, wann oder wie zu beeinflussen.

Immer wieder sitzen in meinen Seminaren Teilnehmer, die in ihren Berufen sehr gestresst sind. Sie kommen mit der Hoffnung in das Seminar, dass Zeitmanagement ihnen hilft, diesen Stress zu reduzieren. Doch bei allen Methoden und Ideen, die ich im Laufe des Seminar vorstelle, schütteln sie den Kopf und sagen: „Das ist bei uns nicht umsetzbar.“

Der Arbeitsalltag dieser Teilnehmer stellt sich oft so dar:

  • Es gibt jeden Tag eine riesige Flut an Emails. 150 Emails am Tag ist anscheinend keine Seltenheit. Die explizite oder unausgesprochene Ansage des Unternehmens ist dabei, dass natürlich jede Email gelesen werden muss. Oft gibt es sogar Vorgaben, wie schnell ein Email beantwortet werden soll.
  • Viele Arbeitsprozesse sind so kleinteilig vorgegeben, dass es wenig Handlungsspielraum gibt.
  • Es wird die permanente Erreichbarkeit gefordert. Ständige Unterbrechungen sind ganz normal.
  • Das Team ist für die Menge an Arbeit unterdimensioniert. Lange Arbeitstage sind die Folge.

Foto Klaus HeywinkelWenn ich das höre, entsteht in mir ein Starker Wunsch: Ich möchte gerne in das Unternehmen des Teilnehmers gehen und mit den Organisationen dort arbeiten. Denn das scheint mir ein viel größerer Hebel zu sein, als den einzelnen Mitarbeitern Zeitmanagement-Methoden zu vermitteln.

Die Alternative wäre, den Teilnehmern nicht nur Zeitmanagement zu zeigen, sondern sie zu ermutigen sich die notwendigen Freiräume zu nehmen – egal, was die Organisation dazu sagen wird. Manchmal versuche ich das in meinen Seminaren. Aber an der Reaktion kann ich gut erkennen: Aus Angst werden sie es nicht tun.

Vielleicht wäre es nützlicher, Seminare für Mut und Selbstvertrauen zu geben. Wenn Menschen den eigenen Wert kennen, können sie eher mutig für angemessene Rahmenbedingungen bei der Ausübung ihrer Arbeit streiten.

Zeitmanagement ist das, was jeder für sich selber tun kann, um seine Arbeit angemessen zu organisieren. Organisationen müssen dafür einen Rahmen stellen. Ohne Entscheidungsfreiraum ist Zeitmanagement nutzlos. Beginnen müsste man meiner Meinung also nach bei der Organisation – erst danach kommt das Zeitmanagement des Einzelnen.

Auf dieser Webseite geht es vor allem darum, dir Ideen für Deine persönliche Selbstorganisation vorzustellen. Viele Anregungen dazu findest Du in meinen Blog-Artikeln.

Wenn Du mehr in die Tiefe gehen möchtest, empfehle ich Dir mein Buch Selbstorganisation. Oder eines meiner drei anderen Bücher zu Themen rund um das Selbstmanagement.

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