Mehr Kante wagen

Ich liebe den Verrat – aber ich hasse den Verräter.“ Diese Weisheit soll Julius Cäsar einst von sich gegeben haben. Ich übertrage das mal auf unserer Zeit, wo Unternehmen glauben, schneller und innovativer werden zu müssen:

„Ich liebe die Innovation – aber ich hasse den Innovator“.

Eine steile These. Ist das wirklich so? Und was hat das Ganze mit Zeitmanagement zu tun?

Wie entsteht Innovation? Für Innovation braucht es Menschen, die gewohnte Denkpfade verlassen. Es braucht Menschen, die Bekanntes neu zusammensetzen oder Gewohntes in Frage stellen. Menschen, die Hinterfragen anstatt ja zu sagen. Menschen, die kreativ sind.

Wenn man nett ist, nennt man solche Menschen Querdenker. Weniger nett werden sie aber auch als Querköpfe bezeichnet.

Und in vielen Unternehmen sind Querköpfe nicht angesagt. Die sind nämlich anstrengend. Denen gibst Du eine Aufgabe – und die Fragen „Warum?“. Dieser gefühlte ständige Widerstand zerrt an den Nerven der Führungskräfte. Denn die wissen doch, was gut und richtig ist …

Und weil Querköpfe unbeliebt sind, haben sich viele Angestellte angepasst. Sie halten lieber die Klappe anstatt ständig gegen Wände zu laufen.

In vielen Unternehmen werden tagtäglich Prozesse befolgt und Aufgaben erledigt, die keinen oder nur einen marginalen Nutzen haben. Und die, denen das bewusst ist, schweigen (irgendwann).

In meinen Zeitmanagement-Seminaren sitzen oft Teilnehmer, die aufgrund verquerer Prozesse und Arbeitsvorschriften permanent gestresst sind. Die Ansagen des Unternehmens muten dann so an: Unterbrechen Sie ständig ihre Arbeit. Bringen Sie nichts zu Ende. Schalten Sie Ihr Gehirn aus – der Chef weiß es besser. Nehmen Sie sich auf keinen Fall Zeit, um besser zu werden. Machen Sie keine Pausen – arbeiten Sie durch. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihre Fehler auszumerzen – nicht darauf, Ihre Stärken weiter auszubauen. Erreichen Sie die Ziele, die Ihnen gesteckt werden – egal wie unsinnig diese sind.

Das alles erzeugt puren Stress – und ließe sich vermutlich durch eine andere Arbeitsorganisation ändern. Prozesse sind kein Selbstzweck. Sie sollten immer wieder in Frage gestellt und verbessert werden. Oder gehören ganz abgeschafft.

Aber keiner sagt (mehr) was dazu. Und das finde ich fatal!

Dinge verändern sich dann, wenn Menschen aktiv dafür sorgen. Nix sagen ändert nix. Und deswegen plädiere ich für „mehr Kante“. Selbstorganisation ist hilfreich und nützlich – aber ein stumpfes Schwert, wenn der Rahmen eine wirkungsvolle Selbstorganisation verhindert.

Du hast sicher viel Erfahrung in dem, was Du im Job tust. Wahrscheinlich hast Du auch gute Ideen, wie etwas besser gemacht werden könnte. Trau Dich, das rauszuhauen. Konstruktiv. Immer wieder. Zeig Kante.

Querköpfe und kantige Mitarbeiter sind nicht überall beliebt. Aber: Sie werden auch nicht sofort gefeuert. Nach meiner Erfahrung kann man sich mehr Kante leisten, als Du vielleicht bisher geglaubt hast.

Folgender Spruch eines Projektleiters bringt das sehr schön auf den Punkt: „Ich werde nicht dafür bezahlt, es jeden Tag allen recht zu machen!“

Innovation und Veränderung braucht Querköpfe und Kante. Und Deine Gesundheit braucht das vielleicht auch.

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