Agiles Zeitmanagement – Respekt und Offenheit

Agile Denkweisen im persönlichen Zeitmanagement anwenden: Darüber schreibe ich in dieser Artikelserie. Im vorherigen Artikel ging es um Fokus und Commitment. In diesem Beitrag diskutiere ich, wie Dich Respekt und Offenheit bei Deinem persönlichen Zeitmanagement weiter bringen können.

Respekt

In Köln sagt man: Jeder Jeck ist anders. Respekt heißt, dass es ok ist, wenn der andere Jeck anders ist als man selber. Wenn man dieses anders sein akzeptiert – und vielleicht sogar wertschätzen kann.

Denn: Inhomogene Teams sind in aller Regel erfolgreicher als homogene Teams. Wenn alle Teammitglieder sehr ähnlich ticken und ähnliche Denkstrukturen haben, dann begrenzt das deutlich die Menge an Ideen und Lösungen, die gedacht werden können. Mit unterschiedlichen Denkstrukturen der Teammitglieder vergrößert sich der Lösungsraum, den das Team „erfinden“ kann.

Damit ein inhomogenes Team dieses Potential ausschöpfen kann, gehört Respekt vor dem „anders sein“ der Kollegen unabdingbar dazu. Es ist für das Miteinander essentiell, wenn jeder die Stärken und Schwächen der Teamkollegen respektiert. Das heißt zum Beispiel, dass man die Ideen der Kollegen anerkennt, wenn diese gut sind. Vielleicht heißt das auch, die eigenen Grenzen zu akzeptieren, wenn man selber nicht auf eine gute Idee gekommen ist oder man etwas nicht so gut kann. Auf der anderen Seite heißt das auch, dass man sich nicht aufspielt, wenn man selber die zündende Idee oder das Expertenwissen für ein Thema hat.

Was hat das nun mit Zeitmanagement zu tun?

Mal angenommen, Du würdest Dich selber so respektieren, wie Du in einem guten Team von den Kollegen respektiert werden möchtest. Mit all Deinen Stärken – und vor allem auch mit all Deinen Schwächen.

Dann könntest Du respektieren, dass Deine Leistungsfähigkeit begrenzt ist. Du bräuchtest dann kein schlechtes Gewissen haben, wenn Du Dinge nicht schaffst. Weil Du akzeptiert hast, dass es eine Grenze gibt, die Du Deiner Gesundheit zuliebe nicht dauerhaft überschreiten willst. Du kannst dann voll und ganz zu Deiner Leistungsfähigkeit – und Deinen Grenzen – stehen.

Vielleicht würdest Du dann im Job mutig dafür streiten, dass Du nur soviel Aufgaben bekommst, wie Du gut schaffen kannst. Im privaten Bereich würdest Du Dir nur soviel vornehmen, wie Du bewältigen kannst.

Offenheit

Offenheit hat für mich zwei Dimensionen: Es bedeutet auf der einen Seite, transparent mit Informationen umzugehen. Dazu braucht es manchmal Mut – zum Beispiel wenn Du Deinem Chef offen von Problemen in Deinem Projekt berichtest. Und auf der anderen Seite heißt Offenheit, dass man offen für die Sichtweisen von anderen ist.

Offenheit im Sinne von Transparenz ist ein nützlicher Wert für das persönliche Zeitmanagement. Doch wie könnte das aussehen?

Stell Dir vor, Deine ToDo-Liste im Job wäre für alle Kollegen und für Deinen Chef jederzeit einsehbar. Du hättest zum Beispiel alle Deine ToDos auf PostIt geschrieben und hinter Deinem Schreibtisch an die Wand gehängt. Vielleicht hättest Du die PostIt auch noch nach Wichtigkeit sortiert oder in eine Reihenfolge gebracht.

Du stöhnst bei diesem Gedanken innerlich auf und denkst: Das geht meine Kollegen doch nichts an? Vielleicht hast Du auch Angst, dass der eine oder andere Kollege Dich fragt, warum Du so priorisiert hast? Oder das Dein Chef kommt und sagt: Soviel hast Du ja gar nicht zu tun…

In Scrum ist diese Form der Offenheit ganz normal: Die ToDos eines jeden Teammitglieds hängen alle an einem großen Board. Jeder kann jederzeit sehen, was der Kollege gerade tut und was er noch vor sich hat.

Das hat große Vorteile. Zum Beispiel könnte Dich ein Kollege ansprechen: „Wo Du gerade bei dieser Aufgabe bist: Ich hätte dazu eine Idee…“ Und mit dieser Idee findest Du vielleicht schneller eine Lösung – oder eine bessere Lösung.

Wenn Du sehr viele Zettel hinter Dir hängen hast, bietet Dir ein Kollege vielleicht auch seine Unterstützung an, wenn er selber gerade etwas Luft hat? Und der Chef fragt vielleicht nicht jeden Tag nach, wann eine bestimmte Aufgabe endlich erledigt ist, weil er genau ablesen kann, dass diese Aufgabe in Deiner ToDo-Liste noch nicht dran ist.

Bei einer vergifteten Teamkultur ist es vielleicht nicht ratsam, eine solche Offenheit an den Tag zu legen. Wenn in einem Team jeder gegen jeden arbeitet und jeder auf eine Blöße des Kollegen wartet, dann kann die Offenheit eines Teammitglieds schnell dazu führen, dass dieser die Zielscheibe für Angriffe wird. Ist die Teamkultur aber von Respekt geprägt, dann wird Dich Offenheit bei Deinem persönlichen Zeitmanagement weiterbringen – auch wenn es dazu etwas Mut braucht.

Wie wäre es, wenn Du auch im privaten Bereich Offenheit über das, was Du auf der ToDo-Liste hast, praktizieren würdest? Zum Beispiel Deinem Lebenspartner gegenüber – oder sogar bei Deinen Kindern? Wenn Du Transparenz darüber schaffen würdest, wie voll Deine ToDo-Liste gerade ist – und warum deswegen die eine oder andere Aufgabe nicht zeitnah erledigt wird?

Im Sinne eines Erwartungsmanagements wirst Du davon große Vorteile haben. Denn Dein Partner wird vielleicht nicht jeden Tag nachfragen: „Wann machst Du endlich…?“ Weil völlig klar ist, dass diese Aufgabe aus guten Gründen jetzt nicht dran ist.

Das bedingt natürlich, dass Du überhaupt eine Übersicht über alles Anstehende hast – also dass Du eine ToDo-Liste führst. Denn wie kannst Du sonst anderen gegenüber Transparenz schaffen?


Du möchtest wissen, welche agilen Werte und Prinzipien außer Respekt und Offenheit für das persönliche Zeitmanagement hilfreich sind? Dann kannst Du in diesen Artikeln weiterlesen: